Wie funktioniert eine TMS-Behandlung?
Eine TMS-Behandlung stimuliert direkt magnetisch, indirekt elektronisch. Die Pulse reichen nur 2 bis maximal 5 Zentimetern ins Gehirn. Aber sie aktivieren Nervenzellen, die dann weitere Netzwerke besser verbinden – beispielsweise in den entscheidenden Regionen der kognitiven Kontrollnetzwerke, die zuständig sind für das Denken und Erkennen, Erinnern und die Problemlösung. Aktiviert werden außerdem die orbito-frontalen Hirnregion (spielt eine zentrale Rolle bei Bewertungen und Entscheidungen), die Amygdala (zuständig für die Verarbeitung von Emotionen) und der Hippocampus (essenziell für Gedächtnis und Lernen). Dadurch wird die kognitive Kontrolle verbessert. Die Dysphorie (Unzufriedenheit, Negativität, Reizbarkeit) und der Grübelzwang werden vermindert. Die Erstarrung der Gefühle und der Verlust von Energie werden aufgehoben. Angstsymptome werden minimiert.
Wer ist dafür zugelassen?
Das Behandlungsangebot richtet sich an Betroffene mit depressiven Erkrankungen, die durch Einnahme von Antidepressiva bisher keine ausreichende Besserung erzielen konnten und/oder keine psychopharmakologische Behandlung (mehr) wünschen. Ebenso kann damit Menschen mit Angst- oder Zwangs-Erkrankungen gut geholfen werden.
Die TMS-Therapie ist in zahlreichen klinischen Studien untersucht und als wirksam beschrieben worden – dies insbesondere auch bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva. Auch die Einnahme anderer Psychopharmaka schließt die Behandlung nicht aus. Aber: Verzögerte Effekte sind nach 4-6 Wochen bei gleichzeitiger Einnahme von Antipsychotika beschrieben. Die TMS kann im Rahmen einer Depressionsbehandlung als zusätzliche Behandlung angewendet werden, wenn bisher keine ausreichende Besserung der depressiven Symptome allein durch die Therapie mit Medikamenten und/oder der Psychotherapie erzielt werden konnte.
Die Indikationen Zwangshandlungen, Essstörungen und einer Reihe weiterer sind ebenfalls möglich und hilfreich. Weiter geforscht werden muss zum Effekt der Therapie bei posttraumatischen Störungen.
Was sind absolute Kontraindikationen?
- frische ZNS-Infarkte
- Herzschrittmacher
- Epilepsie
- Tiefe Hirnstimulation-Elektroden
- Anamnese Gehirnoperation
- Gehirntumor am DLPFC
- Schädel-Hirn Trauma mit Bewusstlosigkeit vor weniger als 3 Monaten
- Hirnblutung oder Schlaganfall vor weniger als 3 Monaten
- Intrakranielle Implantate (z.B. Clips, Cochlea-Implantate oder eine Metall-Platte am DLPFC)
- Alkohol- und/oder Drogenabhängigkeit
- Medikamentenmissbrauch
- Einnahme von über 3mg Lorazepam am Tag
- Einnahme von über 25mg Diazepam am Tag
- fehlende Einwilligungsfähigkeit
- Demenz
- akute Suizidalität
- eine Borderliner-Diagnose
- eine Schwangerschaft
* Zahnimplantate stellen für die Therapie kein Problem dar.
Wie lange dauert die Therapie?
Ein effektiver Therapieplan besteht aus 30 TMS-Behandlungseinheiten, dreimal pro Tag (Montag bis Donnerstag) jeweils 10 Minuten. Mit ca. 45 Minuten Pause zwischen den Einheiten. Insgesamt über einen Zeitraum von drei Wochen. Für die erste Einheit mit zuvor notwendigen Messungen sind zusätzlich 45 Minuten einzuplanen.
Was kostet die Behandlung?
Insgesamt 3000 Euro, die grundsätzlich privat zu bezahlen sind. Allerdings übernimmt beispielsweise die Unica-Privatversicherung die Kosten. Informieren Sie sich im Voraus bei Ihrer Krankenkassa. Für Personen, die sich die Therapie nicht leisten können, bieten wir eine begrenzte Anzahl von Terminen an. Gerne informieren wir Sie bei Anfrage darüber genauer.
Welche Nebenwirkungen können bei einer TMS-Behandlung entstehen?
Ein zusätzlicher Vorteil dieser Therapieform sind geringe Nebenwirkungen. Möglich sind leichte Kopfschmerzen. Allerdings nur bis zur zirka fünften Sitzung – danach wirkt die TMS-Behandlung schmerzlindernd. Es kann zu Nackenverspannungen oder leichtem Schwindel kommen.
Wie wirksam ist die Therapie voraussichtlich?
Die Wirkung der TMS-Behandlung konnte in mehreren klinischen, Placebo-kontrollierten Studien für Menschen mit Depressionen vielfach belegt werden. Auch bei Patienten, die mit vorherigen Behandlungsmethoden keine große Verbesserung erreichen konnten. Für diese Gruppe gilt, dass 30-60 Prozent zu einer deutlichen Besserung oder einem vollständigen Rückgang der Symptome gelangen.
Wenn zugleich eine Psychotherapie erfolgt, sind die positiven Effekte in der Regel stärker ausgeprägt. Die therapeutische Wirkung der Behandlung tritt verhältnismäßig schnell ein, so dass sich bereits nach 2-4 Wochen Besserungen zeigen können. Nach 4-6 Wochen kann die Behandlung abgeschlossen oder in Form einer individuell angepassten Erhaltungstherapie fortgesetzt werden.
* Sind schon 4 oder mehr andere Therapieversuche gegen die aktuelle Krankheitsepisode der Depression versucht worden, so ist das Ansprechen entsprechend geringer.
Was passiert bei einem Rückfall in die Depression?
Die Therapie ist keine Garantie, dass ein Patient nie einen Rückfall erleiden wird. Doch die gute Nachricht ist: Wenn es einmal funktioniert hat, wird es wieder funktionieren.
Interesse?
